Nutz das Netz! Jugendliches Engagement im Zeitalter 2.0 | (Ad-hoc-Studie der Bösen Wölfe auf der Internet-Konferenz re:publica) - Teil 1

Eigentlich waren wir vor der re:publica ein bisschen voreingenommen. Wir, das heißt die Erwachsenen bei den Bösen Wölfen, denn die Kinder und Jugendlichen waren sofort Feuer und Flamme.

Super, wir wollen hin, haben sie gesagt, auch wenn die Bundeskanzlerin ausgerechnet die re:publica-Woche ausgesucht hatte, um dem Französischen Gymnasium einen langen Besuch samt Selfies, persönlichen Begegnungen und ausgiebigen Diskussionen abzustatten. Das, was in der Berlin-Station passierte, war spannender.

Die Bösen Wölfe blinzeln der Sonne entgegen und sind begeistert von der re:publica; (c)Die bösen WölfeNach einem Tag re:publica meinte Chloé, 15: Als ich in die Schule am Morgen darauf zurückkehrte, kam es mir komisch vor, wie irreal. Ich war in dieser Welt der neuen Technologien gewesen und plötzlich beim Geschichtsunterricht erzählt der Lehrer irgendetwas vom Wiener Kongress, von Königen und Fürsten, und es ist dir irgendwie egal, weil du das Gefühl hast, er versteht nicht, was in Wirklichkeit passiert, und du wirst wieder diese Welt betreten, von der du vorher nicht wusstest, dass es sie überhaupt gibt, weil du immer gedacht hast, sie sitzen zu Hause allein vor ihrem Computer, die kommunizieren gar nicht miteinander. Und jetzt siehst du, dass sie sich wirklich begegnen. Das war etwas, was ich noch nicht erlebt hatte.

 

Angefangen hat es mit einer Anfrage bei den Bösen Wölfen, It would be great if you could be part of the re:publica TEN. Wir haben gedacht, unsere Stärke bestünde nicht im Reden, sondern im Tun. Zum Schluss, nach einigen Mails mit Tori, unserer sehr freundlichen und engagierten Ansprechpartnerin bei der re:publica, stand das Konzept:

Bösen Wölfe im Programm der re:publica 2016, Screenshot https://re-publica.de/16/session/nutz-netz-jugendliches-engagement-im-zeitalter-20-ad-hoc-studie-auf-republicaKinder nutzen das Netz. Warum nicht das Netz nutzen, damit sie anderen nett nutzen… Schon im Kindesalter einen digitalen Weg für ein soziales Engagement ebnen – möglich oder Utopie?

Die Bösen Wölfe / Junge furchtlose Reporter aus Deutschland, Frankreich und Polen leisten auf der re:publica empirische Feldarbeit mit Kurzvideo-Drehs mit re:publica Akteuren - ob Besucher oder Speaker. Die Frage lautet: Kids und Jugendliche im Internet versus soziales Engagement? Das Ergebnis dieser re:publica Ad-hoc-Studie bildet den Auftakt für das Projekt „ Furchtlose Kinderreporter für mehr Sozial-Engagement in Europa“. Verfolgt dieses Panel unter www.boeser-wolf.schule.de/engagement

Die re:publica ist ein großer Ort, wo es ganz viele Speaker gibt, die gern im Internet erzählen, was ihre Meinung ist. Bei der re:publica ist es so, dass jeder genug Zeit hat, um seine Rede zu halten.

Böse Wölfin Rosalie, 11 Jahre alt

Einst als überschaubare Blogger-Konferenz gestartet, gilt die re:publica mittlerweile als eines der größten und wichtigsten Events zu digitalen Themen.

SPIEGEL-ONLINE

 

Es schien nicht zu interessieren, ob unsere Website responsiv ist, es wurde nicht nach Apps oder 3D-Spielen gefragt, unsere wenigen Likes auf FB, das nicht existierende Twitter-Konto spielten auch offenbar keine Rolle. Die Türen der re:publica wurden aber ganz weit  für uns geöffnet. Rahmenprogramm, Kinderprogramm, Sessions, Aktion, Ligthning-talk: Drei Tage lang, drei Kamerateams mit zehn Kindern und Jugendlichen am Mikrofon oder an der Kamera, dann Ole, unser Kameraman, und ich, die ich mir wie eine Mutter auf dem Spielplatz vorkam, deren Kinder mit Eimer und Schippe immer wieder auftauchen, um sich etwas zu trinken, zu essen oder nur ein bisschen Ruhe zu holen. Nur dass der Spielplatz 23 000 Quadratmeter groß war, die Anzahl der Menschen um uns die Zehntausender-Grenze in den drei Tagen fast erreichte, nur dass es keine Sandeimerchen waren, die mir gereicht wurden, sondern Video-Interviews, die ich Gigabyte-weise herunterlud,  mit Sascha Lobo, Andrea Nahles, Google- und Amazon-Vertretern, Studentinnen namens Nina, Lena und Leila, mit Speakern und Speakerinnen von Sessions mit Themen wie Digitale Flüchtlingshilfe auf dem Land | Ziemlich schlechte Freunde? Depression und Social Media | Klassenkampf der Roboter – Werden die Produktionsmittel uns enteignen? | Netz-Publizisten im Gespräch: Themen, die sich die Bösen Wölfe ausgesucht hatten, gestern noch verträumt und verspielt, heute noch immer verspielt, noch immer verträumt, aber auf einem anderen Level. Alles oder fast klappte, nur bei Edward Snowden kam man nicht rein, so schlimm war es aber nicht.

Auch wenn es in unserem ersten Entwurf hieß: „Engagement“ sind nicht die anderen, sondern das sind wir alle! Wege und Auswege für mehr Engagement bei jungen Menschen im Zeitalter der Digitalisierung habe ich gedacht, die re:publica, das sind die anderen, zu denen gehöre ich nicht. Herdenmensch ist nicht so meine Sache, und scheint auch nicht die der Bösen Wölfe zu sein, ob groß oder klein. Und dann...

"Meinen Sie, dass Internet das Engagement bei Kids und Jugendlichen heute erschwert oder fördert?"

fragten die Bösen Wölfe Clara, Chloé, Zoe, Leopold, Emmanuelle, Dagmara (13-16 Jahre alt)

"Ist Internet gut oder schlecht für das Engagement von Kindern und Jugendlichen?"

fragten die 11jährigen Bösen Wölfinnen Gaïa, Rosalie, Natalia, Mathilde

 

 

 

 

 

 

 

Dann erlebte ich, wie die Bösen Wölfe dieses doch sehr große Areal sich aneigneten, ihr Zuhause in Form einer Ledersofa-und-Sessel-Ecke ganz hinten neben der Yellow-Area schufen, eine Ecke, die bald mit ein paar Schulmappen, Wasserflaschen, einer Kühltasche, den unvermeidlichen re:publica-Stofftaschen (wo ist meine geblieben, drin war doch Kaugummi) und diversen Jacken angereichert wurde wie auch mit Fotokameras, Stativ, Notebook, Kamera- und Mikrofontaschen usw.Durchaus möglich, dass jeder re:publica-Gast sich so einen Ort ausgesucht und gefunden hat, das Wetter war wunderbar, man konnte zwischen den Vorträgen draußen sitzen. Eine Konferenz ? Nein, eher ein Musik-Festival. Ich dachte, es wäre eine sehr karierte Veranstaltung, vielleicht mit Schlips, aber im Endeffekt war es sehr informell, wie es stattgefunden hat, und das lässt viel Platz für Kreativität, so Böser Wolf Leopold, 16 Jahre.

 

Wo bleibt das Internet dabei, wo bleiben die digitalen Medien?

Das Erfolgsgeheimnis der re:publica liegt vielleicht darin: „Bei der re:publica, meint Chloé,  wurde man einfach aufgenommen, egal ob man technologische Kenntnisse hatte oder nicht, und so hatten wir das Gefühl ein Teil des Ganzen zu sein. Viele engagieren sich in sozialen Bereichen und nutzen das Internet, um etwas in der „realen“ Welt zu verändern.“

Wenn es so spannend ist im Netz, wer führt den Hund der Nachbarin spazieren oder wer trägt der alten Dame von nebenan den Einkauf vier Stockwerke hoch? Einige Antworten dazu ->

Böse Wölfin

Das war ja unsere Hauptfrage: Reale versus virtuelle Welt? oder wie die „Kleinen“, unsere 6-Klässlerinnen, sich bald auszudrücken pflegten: Sind Offline-Leben und Online-Leben Gegensätze? Nein, ganz offenbar nicht. Internet ist nur ein neuer Kanal, worüber es laufen kann, antwortet stellvertretend für viele die Schülerin Leila auf unsere Frage: Meint ihr, dass Internet Engagement fördert oder im Wege steht?  Es steht für das reale Leben und alles, was es einbezieht: Engagement, Kunst, Politik, Schule, Arbeit. Von 7 bis 77 Jahren, wie es so schön bei Tim und Struppi heißt. 

 Alle Besucher und Speaker waren natürlich sehr positiv dem Internet gegenüber, sagt Alina, seit 15 Jahren bei den Bösen Wölfen und nun mit ihren 21 mehr als eine Assistentin. Hätten wir die Fragen auf der Straße gestellt, wären die Antworten anders ausgefallen. Aber es hat das Bild vom Internet für mich in ein „positiveres“ Licht gestellt als vorher. Auch wenn ich das viel nutze, habe ich das schon teilweise als Schädling gesehen, und jetzt hat es mir wieder Hoffnung gegeben.

Ich mochte am liebsten Leute interviewen. Ich fand schön, dass ältere und junge Leute dabei waren, sowohl Berliner als auch Ausländer aus der ganzen Welt.

Böse Wölfin Gaïa, 11 Jahre alt

Tenor war bei der re:publica, dass man nicht trennen kann zwischen Engagement im realen Leben und online. Teilweise waren einige für mich doch zu unkritisch. Manchmal wusste ich nicht, ob sie oder ich realitätsfremd bin, wenn sie gesagt haben, Engagement funktioniert nur durchs Internet, und dass es gar nicht mehr anders geht, vielleicht leben sie noch mehr mit der Digitalisierung der Welt, aber wenn ich für mich überlege, wo ich mich engagiere, sind es Sachen, die ich mehr durch Mundpropaganda  oder persönliche  Beziehungen erfahren habe. Und das hat ohne das Netz funktioniert. Vielleicht funktioniert es auch nicht mehr ohne, das ist die Frage, die ich mir jetzt stelle. Für jemanden wie Sascha Lobo klang die Frage so komisch, weil für ihn klar ist, dass es zusammenhängt.

(c)Die bösen Wölfe

 

 

 

 

  

Kommentare

01

coole Sache

vielen Dank für den spannenden Eindruck - och ja, ich wär doch gern auch dabei gewesen...
Und ich finde eure adhoc-Studie und euer Engagement super! Freu mich sehr, dass ihr Leben und Esprit in die Seitenstark-Bude bringt. Beste Grüße nach Berlin!

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