Internationale Herausforderungen – nationale Lösungen? - Eindrücke einer Warschauer Konferenz

Im September dieses Jahres fand in Warschau die internationale Konferenz „Keeping Children and Young People Safe Online“ statt. Die Veranstaltung wurde organisiert von saferinternet.pl und klicksafe, der polnischen Forschungs- und Entwicklungsorganisation NASK und der polnischen NGO Nobody's Children Foundation, die zum Ziel hat, Kinder gegen Missbrauch zu schützen und Opfern und deren Familien zu unterstützen.

 

Folie des Vortrags "Active or passive? Children and media" von Jacqueline Harding, Tomorrow’s Child / Bild: Tanja HebenstreitIch war bei dieser Konferenz nicht nur Teilnehmerin, sondern auch als Referentin von Seitenstark eingeladen. Die Arbeitsgemeinschaft Seitenstark und der Seitenstark-Chat, der von Katja Reszel vorgestellt wurde, sollten als Best Practice Beispiele zeigen, wie Kinder das Internet sicher entdecken können. Weitere Themenblöcke der Konferenz waren Cybermobbing, Internet und Schule, kleine Kinder und neue Medien, Sexting und Sexualisierung und neue Herausforderungen für Internetsicherheit. Zu jedem Thema wurden fünf Referentinnen und Referenten eingeladen. Da die Vortragenden aus verschiedenen EU-Ländern kamen, wurden auch kulturelle Unterschiede deutlich. Besonders offensichtlich wurde dieses bei der Vorstellung von pro familia. Die liberale Aufklärungsarbeit der deutschen Organisation führte im Plenum zu ungläubigen Blicken und Getuschel.

 

Folie des Vortrags "How should we answer the future challenges in the field of children and youth internet safety?" von Dr. Hans Martens, INSAFE und Russel Chadwick, INHOPE /Bild: Tanja HebenstreitWeitestgehend stellte ich aber fest, dass Lehrer/innen, Medienpädagog/innen und auch Juristinnen und Juristen europaweit Lösungen für die gleichen Herausforderungen suchen: Wie schützt man vor Cybermobbing? Wie setzt man das Internet sinnvoll in der Schule ein? Wie schützt man seine Privatsphäre und seine Daten? Wie verändert sich das Medienverhalten durch Smartphones und Tablets? Wie unterstützen Online-Angebote die Entwicklung von Kindern am besten? Diese Aspekte, Fragen und Probleme machen vor keiner Grenze halt und beschäftigen länderübergreifend alle gleichermaßen.

 

 Tanja HebenstreitEin polnischer Schuldirektor berichtete von einem extra eingerichteten Netzwerk, über das alle Schülerinnen und Schüler auf dem Schulgelände online gehen können. Alle Seiten des www konnten sie allerdings nicht besuchen, so wurden zum Beispiel pornografische Seiten gesperrt. Von verschiedenen internationalen Referenten hörte ich, dass Kinder und Jugendliche eigentlich immer nur Facebook und YouTube besuchen wollen. Andere Angebote im Internet oder gar Kinderwebseiten scheinen Kinder nicht zu kennen oder sind nicht interessant - so ihre Erfahrungen.

 

Besucht man einen solchen internationalen Kongress, so reflektiert man automatisch das Angebot im eigenen Land. In Deutschland fördert die Initiative „Ein Netz für Kinder“ Kinderwebseiten finanziell. Es gibt das Netzwerk Seitenstark und DREI Suchmaschinen speziell für Kinder. Deutsche Onlineangebote für Kinder sind vielfältig: Kinder finden zu fast allen Themen, die sie interessieren Webauftritte, die häufig auch werbefrei sind. Es gibt jede Menge sichere und vormoderierte Mitmachangebote, Chats, Video- und Fotoplattformen. Außerdem bietet der KinderServer, den Schulen und Familien kostenlos installieren können, einen geschützten Surfraum. Deutschland stellt sich den Herausforderungen des Internets und bietet Lösungen. Vielleicht sind unsere Ansätze noch zu national gedacht, aber als vorbildliche Beispiele für andere Staaten dienen sie auf jeden Fall!

 

Übrigens: Obwohl die Teilnehmer/innen der Konferenz weitestgehend aus Polen kamen, wurden uns die deutschsprachigen Flyer sämtlicher Seitenstark-Mitglieder aus den Händen gerissen!

 

Konferenzprogramm, Vorstellung der Veranstalter und der Referent/innen, Zusammenfassungen der Vorträge

 Technikvergleich 1993 zu 2013 Ein Smartphone ersetzt 8 Geräte/ Folie des Vortrags "How should we answer the future challenges in the field of children and youth internet safety?" von Dr. Hans Martens, INSAFE und Russel Chadwick, INHOPE /Bild: Tanja Hebenstreit

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