Wie wird mein Webangebot genutzt? (Teil 2)

Wie in Teil 1 beschrieben, liefert die Analyse der Log-Dateien des Webservers grundlegende Informationen darüber, wie ein Webangebot genutzt wird. Seitenaufrufe und Visits sind dabei die wichtigsten Indikatoren, die sich jeder Seitenbetreiber regelmäßig anschauen sollte.

Ein Nachteil der Log-Analyse ist, dass sie nur zeitversetzt zeigen kann, was in der vergangenen Stunde oder am Vortag passiert ist. Und sie kann nur eingeschränkt Informationen liefern, weil Log-Dateien nur die Daten enthalten, die das HTTP-Protokoll hergibt.

Wer mehr wissen will und sogar live verfolgen möchte, welche Seiten die Benutzer gerade aufrufen und wie genau sie sich im Webangebot bewegen, muss zu einem Verfahren greifen, bei dem das Browser-Programm aktiv mithilft, die Daten zu sammeln.

Browser-Programme „wissen“ nicht nur, welche Webseite sie gerade anzeigen. Sie haben auch Informationen darüber,

  • welches Betriebssystem auf dem Computer des Benutzers läuft,
  • welche Größe der Bildschirm hat,
  • wohin der Benutzer mit der Maus klickt,
  • welche Webseiten der Benutzer vorher angesehen hat,
  • wie lange er auf einer Webseite verweilt
  • und vieles andere mehr.

Mit ein bisschen Javascript-Code auf der eigenen Webseite kann man auf die meisten dieser Informationen leicht zugreifen. Auf dieser Test-Seite wird das anschaulich: http://browserspy.dk/browser.php

Zählpixel

Ein einfacher Weg, um aktiv Seitenaufrufe zu zählen und dabei Zusatzinformationen zu übertragen, ist der Einsatz sogenannter Zählpixel.

Ein Zählpixel ist eine 1x1 Pixel große, transparente Grafik, die in die Webseite eingebunden wird. Weil sie transparent ist, ist sie für den Benutzer unsichtbar und hat keinen Einfluss auf das Design der Webseite:

<img src="http://tracking.domain/img/zaehlpixel.gif" />

Damit die Seitenaufrufe live verarbeitet werden können, müssen sie an ein Skript geschickt werden, das sie sammelt und danach die 1x1 Pixel-Grafik liefert:

<img src="http://tracking.domain/zaehlpixel.script" />

Dieser einfache Aufruf liefert alle Informationen, die die in Teil 1 beschriebene Log-Analyse liefert - mit dem Unterschied, dass die Daten live verarbeitet und gezählt werden können.

Will man zusätzliche Informationen sammeln, werden diese einfach an die Bild-URL gehängt und so an das Sammelskript übertragen:

<img src="http://tracking.domain/zaehlpixel.script?screen=1920x1080&amp;os=windows" />

Sinnvollerweise enthält eine Webseite keine feste URL für das Zählpixel (wie die im Beispiel).

Stattdessen wird ein kurzer Javascript-Code eingebunden, der die gewünschten Zusatzinformationen abfragt und dann die URL für das Zählpixel erstellt:

<script type = 'text/javascript'>
var screensize = String(screen.width)+"x"+String(screen.height);
var os = navigator.platform;
document.write('<img src="http://tracking.domain/zaehlpixel.script?screen='+screensize+'&os='+os+'" />');
</script>

Ein Beispiel für ein Zählpixel ist die Zählmarke der VG Wort.

Und natürlich enthält die Webseite, die Sie gerade lesen, auch ein Zählpixel. Schauen Sie mal in den Quellcode dieser Seite...

Mitzählen

Das Gegenstück zum aktiven Zählpixel ist ein Sammelskript, das auf einem Webserver Aufrufe entgegen nimmt, diese zählt und die übergebenen Zusatzinformationen speichert.

Ein einfaches Sammelskript zählt einfach nur mit und speichert den aktuellen Zählerstand so, dass er jederzeit angesehen werden kann.

Am anderen Ende der Skala stehen komplexe Tracking-Tools, die Seitenaufrufe und Zusatzinformationen in einer Datenbank speichern und umfangreiche Statistiken und Auswertungen anbieten.

Mehr als zählen

Aktive Zählverfahren, bei denen das Browser-Programm mit dem Ausführen von Javascript-Code beteiligt ist, können nicht nur Seitenaufrufe zählen. Mit ihrer Hilfe kann man auch herausfinden, wie gut Seitenelemente funktionieren.

Ein einfaches Beispiel:

Angenommen, Sie haben auf jeder Ihrer Seiten zwei Links zum Impressum - einen am unteren Seitenrand, den anderen in einem Menü auf der linken Seite – und wollen herausfinden, welcher Link besser funktioniert.

Werden nur die Seitenaufrufe gezählt, können Sie zwar verfolgen, wie oft von einer bestimmten Seite aus auf die Impressum-Seite gesprungen wurde. Sie können aber nicht erkennen, welcher der beiden Links dafür verwendet wurde.

Die Lösung des Problem liefern sogenannte Klick-Tracker, die Klicks auf Links oder Buttons zählen.

Dafür muss man die beiden Links mit einem Stück Javascript-Code ergänzen:

<script type = "text/javascript" src="http://tracking.domain/clickTracker.js"></script>
<a href="impressum.html" onclick="clickTracker.click('impressum_menue')">Impressum</a>
...
<a href="impressum.html" onclick="clickTracker.click('impressum_unten')">Impressum</a>

In der Datenbank des Tracking-Tools wird der Aufruf der Impressum-Seite mit den Daten des Klick-Trackers verknüpft und Sie können auswerten, welcher der beiden Links wie oft benutzt wird. Wird ein Link überhaupt nicht benutzt, kann er von der Seite entfernt werden. Wird er wenig benutzt, könnte man für ihn eine andere Position auf der Seite ausprobieren.

Selbst zählen

Die Auswahl eines Tracking-Tools ist nicht einfach.

Es gibt zwar regelmäßig neue Top 10-Listen, die die Vor- und Nachteile der einzelnen Tools vergleichen (z.B. http://www.adpushup.com/blog/web-analytics-tools-google-analytics-alternatives/), aber die Entscheidung, welches das richtige Angebot ist, muss jeder Seitenbetreiber für sich selbst treffen.

Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien von Tracking-Tools:

Für Seitenbetreiber, die gern alles unter Kontrolle und keine Angst vor ein bisschen Technik haben, gibt es Tracking-Software, die auf dem eigenen Webserver installiert werden kann. Beispiele sind BBClone und Piwik, ein Open Source „Nachbau“ von Google-Analytics, der sehr ähnliche Möglichkeiten bietet.
Eine ausführliche Installationsanleitung für Piwik finden Sie hier (http://ueber-setzen.com/de/fundgrube/piwik_anleitung.html).

Die Alternative sind Tracking-Dienste, die dem Seitenbetreiber die Arbeit der Installation und des Betriebs abnehmen. Als Beispiele seien hier eTracker, Google Analytics und OpenTracker genannt. eTracker und OpenTracker sind kostenpflichtige Dienste, Google Analytics ist bis zu einem Limit von10 Millionen Seitenaufrufen kostenlos.

Tracking-Dienste erleichtern Seitenbetreibern die Arbeit, indem sie ihnen den Betrieb der Tracking-Software abnehmen. Es wird nur ein HTML-Fragment in die eigenen Seiten eingebaut, welches die Zählpixel aktiviert.

Man muss sich als Seitenbetreiber aber im Klaren sein, dass man einen Großteil der Kontrolle darüber abgibt, was mit den auf der eigenen Seite erfassten Daten passiert. Was im Blog-Artikel zu Google Analytics geschrieben wurde, gilt im Prinzip für jeden Tracking-Dienst.

Wer auf dem eigenen Webserver installierte Tracking-Software einsetzt, behält alle Daten in der eigenen Hand.

Informieren und um Erlaubnis fragen

Egal, ob Tracking-Dienst oder selbst installierte Tracking-Software: als Betreiber eines Webangebots müssen Sie sich auch hier an die Regeln für den Datenschutz halten.

Was die Datenschutz-Beauftragten über Piwik schreiben (http://www.datenschutzbeauftragter-info.de/fachbeitraege/piwik-datenschutzkonform-einsetzen/), gilt analog für jede Tracking-Software:

Wie schon in Teil 1 beschrieben, darf die IP-Nummer des Benutzers wenn überhaupt nur anonymisiert erfasst werden. Alle aktuellen Tracking-Tools enthalten entsprechende Konfigurationsmöglichkeiten.

Darüber hinaus müssen Sie die Benutzer ihres Webangebots darüber informieren, dass Sie ein Tracking-Tool einsetzen und erläutern, welche Daten dabei erfasst und verarbeitet werden. Das Mindeste ist die Erwähnung in der Datenschutzerklärung.

Und Sie müssen Ihren Benutzern die Möglichkeit geben, das Tracking abzuschalten.

In der Regel wird dafür ein Cookie gesetzt, der dem Tracking-Tool sagt, ob gezählt werden darf.
Einige Tracking-Tools enthalten vorbereitete Informationsseiten, die in das eigene Angebot eingebunden werden können. Wo solche Seiten nicht vorhanden sind, kann man sie leicht selbst erstellen.

Tl;dr

Wer (genauer) wissen will, wie sein Webangebot genutzt wird, kommt um den Einsatz eines Tracking-Tools kaum herum.

Jeder Seitenbetreiber muss für sich selbst entscheiden, ob dafür ein Tracking-Dienst oder eine selbst installierte Tracking-Software eingesetzt wird.

Kommentare

01

Was ist gut und was kostet das?

Hallo, danke für den informativen Beitrag.
Wir ist deine Einschätzung? Sind die kostenpflichtigen Tools besser als die freien? Wo ist der Mehrwert ein kostenpflichtiges Tool zu nehmen?

Was ist deine Empfehlung für ein Tool?

Danke

02

Re: Was ist gut und was kostet das?

Meine Empfehlung ist eindeutig Piwik.

Ich denke, die kostenpflichtigen und die freien Tools sind sich weitgehend ebenbürtig.

Der wesentliche Mehrwert der kostenpflichtigen Tools ist der Service, der geboten wird.
Als Seitenbetreiber habe ich dort einen Ansprechpartner, der mir hilft, wenn die Zählung nicht richtig funktioniert. Und ich brauche mich nicht um den Betrieb der Software zu kümmern. Serverpflege, Updates, Fehlerbehebung - all das übernimmt der Toolanbieter.

Meine Empfehlung ist, mit einem kostenlosen Tool anzufangen.
Wenn die Webseite ein Riesenerfolg wird und ordentlich Geld verdient, kann man immer noch einen kostenpflichtigen Dienst einsetzen.

Wer sich nicht im technische Belange kümmern möchte, kann Google Analytics nutzen. Google Konto einrichten, Zählpixel erstellen, einbauen, fertig. Das ist in einer Stunde gemacht.

Wer keine Angst vor ein bisschen Technik hat (oder jemanden hat, der sich darum kümmert), sollte Piwik einsetzen. Auch hier geht die Installation schnell und Piwik schaut selbst nach Updates.
Man bekommt fast alles, was Google Analytics kann und hat zusätzlich noch die volle Kontrolle über die Daten..

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