Ohne Moos nix los?

Finanzierung ist ein großes Thema und leider auch DAS große Problem für viele, die Kinderseiten betreiben. Das war das Ergebnis des Workshops, den Seitenstark auf der Tagung der Förderinitiative „Ein Netz für Kinder“ im Oktober 2013 in Genshagen durchgeführt hat. Seitenstark stellte im Workshop die neue Hilfeseite und Kommunikationsplattform für Kinderseitenanbieter/innen vor. Um das Hilfeangebot passgenauer auf die Bedürfnisseder Seitenbetreibenden abzustimmen, sammelten und diskutierten die Anwesenden Probleme und Themen beim Erstellen und Betreiben von Kinderseiten.

Ergebnisse des Workshops
(c) find-das-bild.de 2010/Michael SchnellGefragt nach den Hauptschwierigkeiten wurde das Thema Finanzierung zuvorderst genannt. Seiten ohne einen Träger im Hintergrund fehlt eine sichere Grundfinanzierung. Die Förderung durch „Ein Netz für Kinder“ ist eine großartige Unterstützung für viele Seiten. Hierfür ein großes Dank an die Förderinitiative „Ein Netz für Kinder“! Leider ist die Förderung zeitlich begrenzt. Nach der Anschubförderung fehlt es häufig an Geld für die Weiterentwicklung der Seite. Und leider ist die Förderung nicht für alle Kinderseiten eine Option.

Schneller technischer Wandel
Neben der finanziellen Unsicherheit ist die Technik eine weitere Herausforderung. Wie bleiben wir technisch auf der Höhe der Zeit und bieten Kindern gleichzeitig weiterhin einen sicheren und geschützten Raum? Viele Seitenanbieter/innen stehen vor der Herausforderung, ältere Inhalte -beispielsweise Flashspiele - in aktuelle Formate umzuwandeln. Ehrenamtliches Engagement trifft hier auf geringe finanzielle Möglichkeiten.

Erfolg = Ruin?
Interaktive Angebote, über die Kinder sich austauschen können, sind zeit-, geld- und personalintensiv. Die Beiträge der Kinder müssen moderiert, Fragen der Kinder beantwortet und Inhalte aktuell gehalten werden. Für partizipative Kinderseiten ergibt sich daher eine paradoxe Situation: Je mehr Kinder und Jugendliche das Angebot nutzen, desto größer ist die Gefahr, dass es nicht weitergeführt werden kann. Die Seitenmacher/innen stoßen bei großer Nachfrage also an ihre zeitlichen, personellen und vor allem finanziellen Grenzen. Hierfür gibt es bislang keine nachhaltige Lösung .

Große Zielgruppe mit unterschiedlichen Ansprüchen
Eine weitere Herausforderung stellen die unterschiedlichen Altersgruppen dar. Ob sechs, acht, zehn oder zwölf Jahre - Ansprache und Themen müssen sehr unterschiedlich gewählt und gestaltet sein. Ein vielseitiges und trotzdem zielgruppenspezifisches Angebot erfordert auch deshalb ein Mehr an Zeit und Geld.

Wege zu einer Werbegemeinschaft
Weil die Finanzierung für viele Seitenmachende ein Problem darstellt, prüft Seitenstark aktuell die Gründung einer Form der Kinderseiten-Kooperation (Publisher-Gemeinschaft) zur gemeinschaftlichen Einwerbung von Mitteln über die Einbindung „kindgerechter“ Online-Werbung. Mehr Infos hierzu finden Sie im Blogbeitrag zum Fachtag "Online-Werbung".

Ihre Erfahrungen sind gefragt
Bei aller Unterschiedlichkeit der Seiten und ihrer Themen waren sich im Workshop alle Seitenmachenden einig im Wunsch nach einer festen finanziellen Basis, die Raum für die inhaltliche und technische Entwicklung lässt. Wie diese Basis verlässlich geschaffen werden kann, ist die große Frage. Wir möchten deshalb an dieser Stelle die Diskussion um das Thema Finanzierung eröffnen: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht bei Ihren Versuchen Gelder für Ihre Seite zu beschaffen? Wo hatten Sie Erfolg oder einen Teilerfolg, woran sind Sie gescheitert? Welche Rahmenbedingungen knüpfen Sie an eine aussichtsreiche Finanzierung? Was geht gar nicht?

Lassen Sie andere Seitenmacher/innen an Ihren Erfahrungen teilhaben. Werden Sie aktiv über die Kommentarfunktion unter diesem Text oder schreiben Sie einen eigenen Blogbeitrag.  Das geht ganz einfach: Schicken Sie der Redaktion eine kurze Mail über den Schnellkontakt und Sie erhalten einen Gastautoren-Zugang.

Kommentare

01

Keine Werbung auf Kinderseiten!

Ich bin aus vielen Gründen dagegen, dass die Seiten im Verbund von Ein Netz für Kinder und Seitenstark Werbung schalten. Hier nur einige:
1. Aus der Erfahrung von mehr als 10 Jahren preisgekrönter medienpädagogischer Arbeit wissen wir: Werbung erzeugt - systembedingt - gravierendste Interessenkonflikte auf Kosten von Kindern. Die Wirtschaft hat nur ein Interesse: Gewinne. Und das ist mit den Zielen Bildung, Partizipation, Inklusion nicht in Übereinstimmung zu bringen. Allen Beteuerungen von "Corporate Social Responsibility" zum Trotz kennen wir national und international zahllose Fälle von Negativ-Beispielen, aber keine positiven. Immer wieder versuchen die Firmen, die Kinder-Websiten zur Gewinnmaximierung zu nutzen - auf Kosten der Kinder. Das kann nicht in unserem Interesse sein.
2. Werbung erzeugt eine gravierende wirtschaftlichen Wettbewerbsverzerrung: es enstehen rechtlich, pädagogisch und ethisch nicht zu verantwortende Wettbewerbsnachteile gegenüber nichtkommerziellen und werbefreien Angeboten. Das kann nicht in unserem Sinne sein.

3. Werbung ist die Mutter aller Ausreden seitens öffentlicher Förderer: Wenn sich das durchsetzt, kann jede Medienförder-Anstalt sagen "Holt euch doch das Geld von McDonalds & Co" - und ist damit aus dem Schneider. Auch das ist diametral entgegengesetzt unseren gemeinsamen Zielen.

4. Der Schutz vor Ausbeutung ist ein zentrales UN-Kinderrecht. Und die Schaltung von Werbung, deren Mechanismen Kinder - wissenschaftlich erwiesen - nicht durchschauen, ist ein essentieller Verstoß gegen dieses Kinderrecht. Hier geht es um Millionen, auf Kosten der KInder. Und das weiß die Wirtschaft. Und sie will an dieses Geld. Das kann nicht in unserem Interesse sein.

Fazit: Wir brauchen genau das Gegenteil:

1. Das durchgehende und kosequente Verbot von Werbung auf Kinderseiten, auch auf kommerziellen Websites, die ihre Werbung für Produkte in perfider Weise in Medienangebote für Kinder kleiden.

2. Langfristiger Bestandsschutz und verlässliche öffentliche Förderung für nichtkommerzielle medienpädagogische Angebote ; auf kommunaler, bundesstaatlicher, nationaler und internationaler Ebene.

Ich bitte euch alle: Bitte schließt euch uns in diesem Kampf an. Gemeinsam sind wir stark.
Thomas Röhlinger
Radijojo World Children's Media Network

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