Texten für Kinder - (k)ein Kinderspiel: Texte verständlich und unterhaltsam gestalten

Umgang mit Fachbegriffen - Schwieriges erklären und vereinfachen

In einen Text für Kinder gehört kein Fachchinesisch. Fremdwörter und unverständliche Begriffe sollten möglichst vermieden werden. Geben Sie einfachen, deutschen Wörtern den Vorzug und vereinfachen Sie umständliche Formulierungen und schwierige Inhalte.

Fachbegriffe ohne Alternative und solche, die Kinder (kennen) lernen sollen, müssen umschrieben und anschaulich erklärt werden. Maßstab für die sparsame Verwendung von Fachbegriffen und für die Erklärung von Sachverhalten sind der Wortschatz und der Erfahrungshorizont der Kinder. Rufen Sie sich immer wieder ins Gedächtnis für wen Sie schreiben: Sind es 8-Jährige oder 12-Jährige? Haben die Kinder bereits ein Hintergrundwissen zu dem Thema über die Schule?

Übrigens: Mit einer verständlichen Erläuterung von Begriffen, die vielleicht aktuell in den Nachrichten auftauchen, leisten Sie einen Beitrag zur Informationskompetenz der Kinder. So können Kinder ihren Wortschatz erweitern.

Können Sie erklären, was der folgende Satz dem Leser/der Leserin sagen möchte?
"Die voluminöse Expansion subterraner Agrarprodukte steht in reziproker Relation zur intellektuellen Kapazität ihrer Produzenten."
Lösung (bitte Kopf oder Bildschirm drehen): ¡ulǝɟɟoʇɹɐʞ uǝʇsʞɔıp ǝıp uǝqɐɥ uɹǝnɐq uǝʇsɯɯǝnp ǝıp

 

Lebendig schreiben

Texte für Kinder sollten „leben“, das heißt, lebendig sein statt abstrakt und trocken. Ein Mittel um das zu erreichen sind Beispiele und Visualisierungen. Veranschaulichen Sie Abstraktes wie Mengen, Größen, Längen oder andere Zahlen. Wählen Sie Beispiele aus der Lebenswelt der Kinder, z.B. „so viel wie 120 Badewannen voll“, oder "größer als 15 Fußballfelder zusammen". Gerade in Kindertexten ist das Konkrete dem Abstrakten vorzuziehen. Das gilt auch für einfache Begriffe, schreiben Sie z.B. „Apfelsaft“ statt „Getränk“ oder „Segelboot“ statt „Wasserfahrzeug“.

Abwechslung im Text lässt sich auch über das Einschieben einer Frage, einer erstaunlichen Tatsache oder eines Rekords, eines Zitats oder eines witzigen Wortspiels erreichen. Motivieren Sie mit Ihrem Text zum Mitdenken und Aktivwerden.

Humor ist Geschmackssache

Es liegt auf der Hand: Unterhaltsame Schreibe mit Witz und Humor kommt bei Kindern an. Doch Humor ist Geschmackssache. Kinder haben ihren eigenen Humor, und auch der unterscheidet sich je nach Alter des Kindes. Wer mit jüngeren Kindern zu tun hat, wird das kennen: Da bricht ein kleiner Steppke in schallendes Gelächter über etwas aus, was uns Erwachsenen vielleicht gerade mal ein müdes Lächeln abringt. Kinder amüsieren sich mitunter auch über Dinge, die wir Erwachsene gar nicht komisch finden. Ein banales Beispiel sind Kinderwitze. Am beliebtesten sind solche, die mit Schadenfreude einhergehen oder den Erwachsenen zeigen, wo's langgeht.

Texten Sie mit Witz und Humor, aber versuchen Sie dabei die kindliche Perspektive im Blick zu behalten. Ein gewollt witziger Schreibstil kann peinlich werden. Was am einfachsten aussieht und sich am lockersten liest, ist beim Schreiben oft Schwerstarbeit. Gewollt "kindlich" zu formulieren kann ganz schön nach hinten losgehen. Kinder mögen Unsinn. Sie nehmen es aber übel, wenn ein Erwachsener sie nicht ernst nimmt und haben feine Antennen dafür. Wer albern und anheimelnd kindlich schreibt, läuft Gefahr sich bei den Kindern lächerlich zu machen und als "komischer" Erwachsener abgestempelt zu werden.

Ironie und Wortspielereien

Auf erwachsene Leser/innen wirken ironische Anmerkungen und geschickte Wortspiele in der Regel unterhaltsam. Bei Kindern sollten diese Stilmittel mit Vorsicht und nur in Maßen eingesetzt werden. Metaphern in Texten führen jüngere Kinder in die Irre. Auch Ironie ist eine Form des Humors, mit der jüngere Kinder meist noch nichts anzufangen wissen. Erst ältere Leser/innen, ab 11 oder 12 Jahren werden in der Lage sein, eine ironische Aussage auch als solche zu begreifen.

Ist das Thema, über das Sie schreiben, ein schwieriges? Dann verzichten Sie lieber auch auf Wortspiele. Sie erschweren das Verständnis. Oder handelt es sich um ein leicht verdauliches Thema, das vielleicht "nur" den Anspruch hat zu unterhalten? In dem Fall können Wortspiele auflockern, denn es tut der Sache keinen Abbruch, sofern ein Kind den Sinn nicht vollständig erfasst, vielleicht aber ob der lustigen Wortwahl schmunzeln muss.

Fazit

Wer lebhaft und präzise schreibt, gibt jungen Leser/innen die Chance Inhalte zu begreifen, Bilder im Kopf entstehen zu lassen und sich in Geschehnisse hineinzuversetzen. Gute Texte vermeiden  Fremdwörter, vereinfachen komplexe Sachverhalte, ziehen passende Vergleiche und binden Beispiele ein. Plastische und lustige Schilderungen lassen Kinder das Gelesene verstehen und sich etwas darunter vorstellen.

Weiter im Text...
Ausblick auf Teil 5: Text-Aufbereitung für das Web.

Teil 1 Teil 5 Teil 6

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