JIM-Studie 2014 – Ergebnisse zur Mediennutzung 12- bis 19-Jähriger in Deutschland

JIM-Studie 2014 – Ergebnisse zur Mediennutzung 12- bis 19-Jähriger in Deutschland

Blogbeitrag vom

Mit der aktuellen JIM-Studie 2014 hat der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest am 28. November bereits zum 17. Mal repräsentative Basisdaten zur Mediennutzung von Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren in Deutschland veröffentlicht.

Für das Seitenstark-Projekt "Wir machen Kinderseiten" haben wir Kernergebnisse zum Thema Internet und Kommunikation zusammengestellt:

Medienbesitz

Smartphone, Bild: find-das-bild.de/Michael SchnellDie JIM-Studie 2014 zeigt, dass Jugendlichen inzwischen ein sehr vielfältiges Medienangebot zur Verfügung steht. Neben verschiedensten Mediengeräten, die im elterlichen Haushalt vorhanden sind, verfügen auch die Jugendlichen selbst über ein sehr breites Medienrepertoire. 97 Prozent der befragten Jungen und Mädchen besitzen ein eigenes Mobiltelefon. 88 Prozent können ein internetfähiges Smartphone ihr Eigen nennen, hier gab es eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr (2013: 72 %). Etwa drei Viertel besitzen einen eigenen Computer oder Laptop (76 %), gut die Hälfte einen eigenen Fernseher (56 %), ein Radio (55 %) oder eine Digitalkamera (53 %). Mittlerweile besitzt jeder fünfte Zwölf- bis 19-Jährige einen Tablet-PC.

 

Internetnutzung

Bei der Betrachtung der Internetnutzung über verschiedene Geräte fällt zunächst auf, dass der mobile Zugang in diesem Jahr erstmals von größerer Bedeutung ist als der Zugang über Computer bzw. Laptop. 86 Prozent der Jugendlichen, die in den letzten 14 Tagen vor der Befragung das Internet genutzt haben, taten dies mit einem Mobiltelefon, 82 Prozent gingen über Computer oder Laptop ins Internet. Im Vorjahr war der „traditionellere“ Weg über PC/ Laptop noch der am häufigsten genutzte Zugangsweg. Beim Tablet gab es fast eine Verdopplung, es wird mittlerweile von gut einem Fünftel der Jugendlichen zur Internetnutzung eingesetzt. Mädchen nutzen das Internet zu einem etwas höheren Anteil über das Handy/Smartphone (90 %, Jungen: 82 %), während Jungen etwas häufiger über Computer/ Laptop (86 %, Mädchen: 79 %) und Spielkonsolen (20 %, Mädchen: 3 %) online gehen.

Die Online-Zeit der Jugendlichen hat sich weiter erhöht. 192 Minuten sind Jugendliche durchschnittlich an einem Wochentag online – 2013 waren es noch 179 Minuten.
Generell lassen sich die Online-Aktivitäten in vier (nicht ganz trennscharfe) Kategorien einteilen: Spiele, Unterhaltung, Information und Kommunikation. Nach eigener Einschätzung der befragten Jugendlichen nimmt der Bereich Kommunikation dabei wie in den Jahren zuvor mit 44 Prozent den größten Anteil ein. Die Bedeutung kommunikativer Tätigkeiten im Internet ist für die Jugendlichen also nach wie vor sehr groß, hier lohnt ein genauerer Blick auf Veränderungen und Entwicklungen.

Kommunikation

In diesem Jahr zeichnet sich ein deutlicher Rückgang der Nutzerzahlen von Online-Communities unter den Jugendlichen ab. Während im Jahr 2012 noch 87 Prozent der jugendlichen Internetnutzer zumindest selten eine Online-Community wie beispielsweise Facebook nutzten, ging dieser Anteil im Jahr 2013 leicht auf 84 Prozent zurück. In diesem Jahr sind nicht einmal mehr drei Viertel der Jugendlichen, die das Internet nutzen, auch Nutzer einer Online-Community (73 %). Bei den Zwölf- bis 13-Jährigen zählt mit 45 Prozent inzwischen weniger als die Hälfte zu den Community-Nutzern. Um herauszufinden, worin diese Entwicklung begründet sein könnte, haben wir die einzelnen Funktionen von Online-Communities im Detail betrachtet.

Der Vergleich zum Vorjahr zeigt, dass vor allem diejenigen kommunikativen Tätigkeiten innerhalb der Community deutlich weniger ausgeübt werden, die auf eine schnelle Verbreitung und Reaktion hin zielen, also Nachrichten an andere verschicken, Chatten, etwas auf die Pinnwand schreiben oder posten, was man gerade so macht. Da wir wissen, dass sich das Kommunikationsbedürfnis der Jugendlichen nicht innerhalb eines Jahres grundlegend verändert, scheint es plausibel, dass sich inzwischen ein attraktiverer Kommunikationsweg etabliert hat. In unseren Ergebnissen der JIM 2014 finden wir eine ganz deutliche Entwicklung, die mit dem Bedeutungsrückgang der Online-Communities direkt zusammenhängt: Das Smartphone hat mit WhatsApp mittlerweile genau diese Funktionen übernommen, die innerhalb der Online-Communities weniger ausgeübt werden. 94 Prozent der Besitzer von internetfähigen Handys haben WhatsApp installiert, 86 Prozent nutzen diese App täglich, im Durchschnitt 26 Mal pro Tag. WhatsApp ist die zentrale technische Plattform für die Kommunikation im Freundeskreis, sei es durch das Versenden von Text, Bildern, Videos oder Sprachnachrichten. Wir haben die Jugendlichen, die Facebook und WhatsApp nutzen, auch gefragt, welches der beiden Angebote ihnen persönlich wichtiger ist. 83 Prozent entscheiden sich bei dieser Frage für WhatsApp, zehn Prozent für Facebook und weiteren sechs Prozent sind beide Angebote gleich wichtig. Egal wie sich die Jugendlichen entscheiden, sie bleiben letztendlich beim gleichen Anbieter, denn WhatsApp wurde im Februar 2014 von Facebook aufgekauft.

„Mobile Überforderung“ durch das Smartphone?

Wie die intensive Beschäftigung mit dem Smartphone und zunehmende Informationsflut von den Jugendlichen wahrgenommen wird, klärt die JIM-Studie 2014 anhand einzelner Statements, zu denen die Jugendlichen ihre Haltung darlegen sollten. Mehr als die Hälfte der Handybesitzer (64 %) stimmen der Aussage voll und ganz bzw. weitgehend zu, dass sie zu viel Zeit mit dem Smartphone verbringen. 55 Prozent bekommen manchmal so viele Nachrichten aufs Handy, dass es sie total nervt. Andererseits befürchtet jeder Vierte, etwas zu verpassen, wenn das Handy/Smartphone ausgeschaltet ist.

Weitere Themen der JIM-Studie 2014 sind, welche Mediengeräte (Smartphone, Tablet, Laptop oder Computer) für welche Tätigkeiten von den Jugendlichen präferiert werden, über welche Kommunikationswege Jugendliche mit ihren Großeltern kommunizieren und welchen Medien sie die höchste Glaubwürdigkeit zuschreiben.

Die JIM-Studie 2014 steht unter www.mpfs.de kostenfrei zum Download zur Verfügung.

Cover JIM-Studie 2014 vom mpfsJIM-Studie (Jugend, Information, (Multi-) Media)
Die JIM-Studie liefert seit 1998 jährlich Basisdaten zum Medienumgang von 12- bis 19-Jährigen in Deutschland. Die repräsentative Studie bildet allgemeine Entwicklungen und Trends ab. Gleichzeitig werden in den einzelnen Untersuchungen spezifische Fragestellungen realisiert, die aktuelle Medienentwicklungen aufgreifen. Themenschwerpunkte der JIM-Studie sind: Medienausstattung, Freizeitaktivitäten, Mediennutzung, Wichtigkeit der Medien, Glaubwürdigkeit der Medien, Bücher und Lesen, Radionut­zung, TV-Präferenzen, Aktivitäten im Internet, digitale Spiele, Handynutzung und Medienkompetenz.

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) als Kooperationsprojekt der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg  (LFK) und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) führt die JIM-Studie gemeinsam mit dem Südwestrundfunk (SWR) durch.