Die Computerspielschule Hamburg

Die Computerspielschule Hamburg

Die Computerspielschule Hamburg ist ein Projekt der Initiative Creative Gaming, die sich seit 2007 für den kreativen Umgang mit Computerspielen stark macht. Die Idee der Computerspielschule ist, Kinder und Jugendliche beim Computer spielen zu begleiten und sie anzuregen, nicht nur zu spielen, sondern sich mit den Spielen auch auseinanderzusetzen und damit kreativ zu werden. "Mit Spielen spielen" ist dabei das Motto. Das kann auch für Kinderseitenmacher*innen spannend sein, die Spiele oder spielerische Elemente auf ihren Seiten anbieten. Ein Modul der Computerspielschule besteht zum Beispiel darin, die Spiele zu beschreiben und zu bewerten. Was macht an dem Spiel Spaß? Versteht man es gleich? Lerne ich etwas dabei?

In weiteren Modulen erstellen die Jugendlichen mithilfe von Screenshots einen Comic aus Spielfiguren. Oder produzieren gleich ein eigenes "Let's Play" Video. Werden mehrerer dieser Module erfüllt, gibt es eine Belohnung. Gerade Seitenanbieter*innen, die Lernspiele anbieten, könnten sich so einerseits ein Feedback der Kinder zu ihrem Angebot holen und andererseits Kinder dazu anregen, sich mit einem Spiel intensiver auseinanderzusetzen.

Über 2000 Spiele von deutschen und internationalen Kinderseiten bietet die Kindersuchmaschine Blinde Kuh, Screenshot www.blinde-kuh.de

Radiofüchse vor Ort

Kinderreporter der Radiofüchse interviewen Vera Marie Rodewald , Bild: Andrea SieversUnsere Radiofüchse Kinderreporter waren jedenfalls völlig aus dem Häuschen, als sie von der Computerspielschule erfahren haben! Eine Schule, in der man jeden Tag Computerspiele spielen darf? Der Traum jedes Grundschulkindes! Ganz so traumhaft funktioniert die Computerspielschule Hamburg natürlich nicht. Trotzdem wollten Emilio (9) und Fernán (9) mehr darüber erfahren und haben Vera Marie Rodewald von der Computerspielschule Hamburg interviewt. Hier das Interview:

 

Hallo wir sind Fernán und Emilio von den Radiofüchsen. Was ist eine Computerspielschule?

Die Computerspielschule ist ein offenes Angebot für Jugendliche ab der fünften Klasse. Dort kann man hinkommen, um gemeinsam zu spielen und über Spiele zu reden und vielleicht auch mit Spielen kreative Sachen zu machen.

Und wo ist die Computerspielschule?

Die Computerspielschule wandert immer, also sie ist jetzt grade schon an drei Standorten in Hamburg gewesen: In der Bücherhalle Holstenstaße, in der Bücherhalle Wandsbek und grade ist sie in der Bücherhalle Neugraben und ab 2017 wird sie dann in Wilhelmsburg sein, in der Stadtteilbibliothek Kirchdorf.

Wo gab es eigentlich die erste Computerspielschule?

Die erste Computerspielschule wurde in Leipzig gegründet. Danach gab's auch noch eine in Greifswald und jetzt gibt es sogar auch eine in Stuttgart und eine in Karlsruhe, also mindestens fünf Stück schon. Und ein paar andere werden auch noch geplant.

Wer ist auf die Idee gekommen, eine Computerspielschule zu gründen?

Das haben wir tatsächlich im Team geplant. Und zwar sind wir ja von der Initiative Creative Gaming und die Initiative beschäftigt sich vor allem mit dem kreativen und künstlerischen Umgang mit Computerspielen, und wir haben uns überlegt: Warum machen wir nicht mal ein offenes Angebot für Jugendliche, die da einfach hinkommen können, gehen können, wann sie wollen, wo man sich auch nicht anmelden muss? Und das fanden wir so super, und dann haben wir mit den Bibliotheken gesprochen, die fanden das auch klasse.

Zwei Jungen haben Spaß in der Computerspielschule Hamburg, Bild: Computerspielschule HamburgDas Angebot Computerspielschule ist also anders als eine "echte" Schule sehr niedrigschwellig, denn auch Kinder, die zufällig die Bibliothek besuchen, verlaufen sich mal in die Computerspielschule. Nicht besonders überraschend: Etwa 2/3 der Teilnehmenden sind Jungs. Mit der gezielten Ansprache von Mädchen - auch auf Flyern und Publikationen - versuchen die Organisator/innen auf ein ausgeglicheneres Geschlechterverhältnis hinzuwirken. Auch eine möglichst große Auswahl an Spielen, die Mädchen und Jungen ansprechen, kann darauf Einfluss haben. Und so kann man jetzt eben in die Bibliothek kommen und dort auch Spiele mitbringen beispielsweise oder Spiele ausleihen und das dann am Ende ausprobieren.

Welche Spiele spielt man denn auf einer Computerspielschule?

Wir versuchen immer, die aktuellsten Spiele da zu haben. Wir haben alle Konsolen, also von Xbox One bis Play Station 4 haben wir alles Mögliche da. Und eine gute Auswahl von alten und neuen Spielen und von Multiplayerspielen oder Single-Player-Spielen, also ganz, ganz unterschiedlich. Man kann auch mit Nintendo 3 DS spielen zum Beispiel mit so 'nem Handheld, was  transportabel ist, also eine bunte Mischung.

Bekommt man hinterher auch ein Zeugnis?

Ja, sozusagen. Also wir haben einen Skill-Tree entwickelt. Der Skill-Tree ist dafür da, dass man bestimmte Kompetenzen besser ausbauen kann, also man kann bestimmte Fähigkeiten lernen, wie in einem richtigen Spiel. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass man einen Bericht darüber schreibt, wie einem ein Spiel gefallen hat oder dass man ein eigenes Let's Play Video produziert. Und am Ende, wenn man den Endgegner besiegt hat sozusagen, dann bekommt man eine Belohnung. Und das ist bei uns oftmals zum Beispiel ein Besuch in einem Entwicklungsstudio oder wir laden einen Gamedesigner ein und das ist dann für alle, die den Skill-Tree abgeschlossen haben.

Vielen Dank für das Interview! Das war Vera Marie Rodewald von der Computerspielschule Hamburg.

Ja, gerne. Euch auch vielen Dank!

Skilltree der Computerspielschule Hamburg

 

Mit Spielen spielen

Die Computerspielschule und die Initiative Creative Gaming machen deutlich: Digitale Computerspiele müssen nicht ausschließlich ein bestimmtes Ziel verfolgen. Sondern: Man kann auch mit Spielen spielen. Man kann Regeln ignorieren, Spielverläufe modifizieren oder ein Spiel für einen ganz anderen Zweck nutzen, als es gedacht war. Man kann Digitales analog werden lassen.

Homepage der Initiative Creative GamingAuf der Internetseite der Initiative Creative Gaming heißt es daher auch: "Durch Spiele begreifen wir die Gesellschaft, in der wir leben. Wir lernen Werte, Normen, Moralvorstellungen kennen. Besonders dann, wenn wir Spielregeln manipulieren, modifizieren oder ignorieren." Und weiter: "Im 21. Jahrhundert gehören digitale Spiele zum grundlegenden Spielerepertoire von Jugendlichen und Erwachsenen. Dabei eröffnen digitale Spiele und ihre Nutzungsweisen ein gigantisches kreatives Potenzial." Dieses Potenzial könnten auch Kinderseitenmacher*innen für ihren Auftritt nutzen, indem sie Kindern mehr offene und gestalterische Möglichkeiten anbieten, selber kreativ zu werden.

Themenfisch "Spiel und Spaß" auf seitenstark.de verlinkt zu den Angebot der AG-Mitglieder

Links:

Computerspielschule Hamburg

Initiative Creative Gaming

Das Interview der Radiofüchse zum Nachhören

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