Crowdfunding – Ein Erfahrungsbericht

Der Kölner Zoo finanziert seinen neuen Bergischen Bauernhof über Crowdfunding, der angelaufene Kinofilm zur TV-Serie „Stromberg“ wurde über viele Spenderinnen und Spender finanziert und Startnext, die Crowdfunding-Online-Plattforum für Kreative, Erfinder und Gestalter, berichtet beispielsweise, dass bereits 1497 weitere Projekte erfolgreich waren. Auf startnext.de wird verkündet, dass über neun Millionen Euro über die Webseite von der Crowd, der Menschenmenge, investiert wurden, um gute Ideen in reale Projekte zu verwandeln (Stand 10. März 2013).

 

Ob Crowdfunding auch eine Möglichkeit darstellt, Kinderseiten oder zumindest einzelne Elemente von Kinderseiten umzusetzen?

Die Macherinnen und Macher von Legakids.net berichten über ihre Erfahrungen.

Worträuber - Legakids.netWir-machen-kinderseiten.de: Lieber Herr Kortländer, zuerst möchten wir Ihnen zum 10jährigen Bestehen Ihrer Webseite legakids.net gratulieren. Im Dezember 2013 ist das Spiel „Worträuber“ online gegangen. Wie haben Sie dieses finanziert?

Michael Kortländer, LegaKids: Spiele zu finanzieren ist nicht so einfach – vor allem, weil die Programmierung und die Animationen auch bei großem Entgegenkommen einiges Geld kostet.

Wir haben erst bei all unseren Partnern telefonisch angefragt, ob Unterstützung möglich wäre. Dann haben wir eine ausführliche Spielbeschreibung nachgereicht. So kamen schon ein- bis zweitausend Euro zusammen. Mit dieser Ermutigung haben wir auf der LegaKids Seite und in Rundbriefen eine zielgerichtete Bitte platziert: Helft uns für die Kids als Weihnachtsgeschenk den „Worträuber“ zu stemmen.

 

Wir-machen-kinderseiten.de: War dies das erste Projekt, das Sie auf diese Art und Weise finanziert haben? Wenn ja, wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

LegaKids: Wir hatten schon früher versucht für LegaKids per „Crowdfunding“ Geld zu bekommen – das hat praktisch nichts gebracht, nur recht viel Arbeitsaufwand. Dieses Mal hatten wir für ein ganz bestimmtes Projekt, eben den Worträuber, von unseren Nutzern Geld erbeten – das hat immerhin 1.500 Euro gebracht. Die Not macht erfinderisch.

 

Wir-machen-kinderseiten.de: Wie viele Personen und Institutionen haben Sie für monetäre Unterstützung kontaktiert? Und wie haben Sie das gemacht?

LegaKids: Oh beim Lurs (Anm. d. Red.: Lese-Rechtschreibmonster von legakids.net), da kann ich keine konkreten Zahlen benennen. Viele Telefonate, viele, viele Mails, der Newsletter ging an unsere knapp 6.000 Abonnenten und die Website mit der Bitte wurde in der fraglichen Zeit von ca. 40.000 bis 60.000 Eltern und Lehrkräften besucht. Eichhörnchen tun sich selbst im Winter leichter :-)

 

Wir-machen-kinderseiten.de: Wie viel Zeit haben Sie für das Geldeinsammeln eingeplant?

LegaKids: Die Suche nach Geld ist die anstrengendste Arbeit an LegaKids. Diese ständige Bettelei und das dauernde Bitten ist anstrengend. Da steckt viel Energie drin. Und noch mehr Energie brauche ich, um die Frustrationen zu verarbeiten. Das kann ich nicht mit einer Stundenzahl angeben - aber damit, dass dieser Teil sicher ein Viertel meiner Energie auffrisst. Insgesamt hatten wir für das Geldeinsammeln beim Räuberspiel zwei Monate eingeplant.

 

Wir-machen-kinderseiten.de: Sie hatten damals angegeben, dass das Spiel ca. 4000 Euro kosten würde. „Worträuber“ ist nun online. Können wir davon ausgehen, dass Sie genügend Spenden gesammelt haben?

LegaKids: Nein, wir mussten Geld zuschießen.

 

Fördersiegel - Legakids.net

Wir-machen-kinderseiten.de: Sie haben den Spenderinnen und Spendern Fördersiegel als Gegenleistung angeboten. Wie viele Fördersiegel haben Sie ausgestellt?

LegaKids: Direkt zur Unterstützung des Worträubers wurden acht Fördersiegel vergeben.

 

Wir-machen-kinderseiten.de: Wenn Sie an die Umsetzung des Projektes zurückdenken. Gibt es Punkte, die Sie im Nachhinein ändern würden?

LegaKids: Wir nehmen uns immer wieder vor, derartige Projekte nur anzugehen, wenn das nötige Geld vorhanden ist. Allerdings steckt so viel ehrenamtliche Arbeit schon in den Vorbereitungen, der Konzeption, den internen Besprechungen, den Absprachen mit den Programmierern, den Illustratoren, Animatoren, dem Einholen von Angeboten, in der Überzeugung der Kooperationspartner, dass wir doch anfangen, bevor die Summe zusammengekommen ist. Nach dem Motto: Wir ziehen das durch. Anders hätten wir LegaKids auch nicht zu dem machen können, was es jetzt ist.

 

Wir-machen-kinderseiten.de: Würden Sie eine Finanzierung über Crowdfunding wiederholen und anderen Kinderseitenmacher/innen empfehlen?

LegaKids: Manchmal klappt Crowdfundig, vor allem, wenn den Spendern konkrete Vorteile gegeben werden können. Auch wenn der Nutzen direkt gesehen werden kann. Wenn beispielsweise eine alte Kneipe um die Ecke wieder zum Leben erweckt werden soll. Auch regional begrenzte Projekte haben gewisse Vorteile in der Spendensuche. Wir werden weiterhin versuchen über unsere LegaKids Seite Geld zu sammeln –Crowdfunding Online-Plattformen werden wir aber nicht in Anspruch nehmen.

 

Wir-machen-kinderseiten.de: Lieber Herr Kortländer, vielen Dank für Ihre hilfreichen Informationen und Ihre Offenheit. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit LegaKids.

Kommentare

01

Crowdfunding - jein danke...

Lieber Michael Kortländer,

vielen Dank für den Einblick in eure Erfahrungen mit Crowdfunding. Wir haben bei den Radiofüchsen eine ähnliche Erfahrung gemacht: Der Aufwand ist groß und man weiß am Ende nicht, ob überhaupt etwas dabei rum kommt. Um dieses Risiko einzugehen, muss man sich überdurchschnittlich für seine Idee begeistern, ein möglichst konkretes und sichtbares Projekt haben -wie du auch beschreibst - oder bereit sein, unbezahlte Kosten aus der eigenen Tasche zu bezahlen.

Wir haben letztes Jahr über Crowdfunding 500,00 € für Reporter T-Shirts, Buttons und Aufkleber gesammelt, auf denen das "Radiofüchse" Logo ist. Dafür waren ca. 15 Stunden Arbeitsaufwand nötig, der bei uns normalerweise mit 30€/Std. vergütet wird, in diesem Fall aber ehrenamtich erbracht wurde. Bleiben also 50,00 € realer "Gewinn"...

Die Spenden kamen ürbigens nahezu ausschließlich aus unserem privaten Bekannten- und Freundeskreis, viele liebe Menschen, an die wir freundliche E-Mails verschickt haben. Über die Plattform (betterplace) direkt kamen höchstens 2 oder 3 SpenderInnen...
Unbezahlbar allerdings: Die Erfahrung, dass Freunde und Bekannte die eigene Arbeit so wertschätzen, dass das Geld tatsächlich zusammen kam und viele strahlende KinderreporterInnen in ihren neuen T-Shirts!

Liebe Grüße&ganz viel Erfolg weiterhin,
Andrea

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